eSports: bigger and smaller than you think


Zwischen Massenphänomen und Nische. Zwischen Preisgeldern in Millionenhöhe und dem Kampf um gesellschaftliche Anerkennung. Zwischen Sport und Entertainment. Zwischen digitalem Raum und ausverkauften Arenen. eSports ist ein Spannungsfeld. Dennoch ist klar: das Potential ist riesig und noch lange nicht ausgeschöpft – auch für Stadien und Arenen!

Hohe Online-Reichweiten kein Geheimnis

Die hohen Online-Reichweiten im eSports sind mittlerweile kein Geheimnis mehr. Rund um den Globus verteilt, schauen mehrere Millionen Fans täglich ihren Teams und Lieblingsspielern beim virtuellen Wettkampf zu. Das League of Legends WM-Finale 2018 vor wenigen Tagen sahen sogar über 200 Millionen Menschen weltweit. Kein Wunder, dass bereits viele große Brands wie Mercedes, Red Bull oder Mc Donalds eingestiegen sind um diese immensen Reichweiten für sich zu nutzen.

80.000 Zuschauer beim League of Legends Finale 2017

Doch nicht nur im digitalen Raum geht es für eSports steil nach oben - auch das Interesse am Live-Event steigt. Im November 2017 fand das bislang größte live eSports-Event der Welt in Chinas Nationalstadion, dem „Vogelnest“ in Peking, statt. Wo sich vor zehn Jahren noch die internationale Leichtathletik-Elite zum Olympischen Wettkampf traf, fieberten beim League of Legends Finale 2017 zwischen den beiden Süd-koreanischen Teams SK Telecom T1 (SKT) und Samsung Galaxy (SSG) rund 80.000 Zuschauer mit und erlebten eine spektakuläre Show. Dabei blieb nicht allein die große Kulisse in Erinnerung, sondern auch die Final-Zeremonie, bei der ein riesiger virtueller Drache durch das Stadion flog. Diese Inszenierung wurde mit der Eröffnungsshow der „Worlds 2018“ noch getoppt, die sich als ein bunter Mix aus Live-Musik und virtuellen Overlays präsentierte. Auch wenn Events wie diese (noch) nicht die Regel sind, lässt sich erahnen, welche Potentiale eSports-Venues in Zukunft bieten können.

Blick auf den deutschen Markt

Ein Blick auf den deutschen Markt lässt die große Euphorie vermeintlich ins Stocken geraten. Die ESL One schaffte es im Sommer 2018 mit ihrem internationalen Counter Strike-Turnier in der LANXESS arena in Köln „nur" auf 15.000 Zuschauer. Aber: Mehr geht auch nicht! Denn die Kölner Multifunktionsarena war restlos ausverkauft und damit Veranstaltungsort des größten deutschen eSports-Turniers des Jahres.
Eine aktuelle Studie von Infront Germany – durchgeführt von Nielsen Sports – zeigt zudem deutlich, wie groß das Potential in Deutschland ist: Während 75 Prozent der Deutschen bislang zwar nie, oder nur selten ein eSports-Event live besucht haben, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 5,3 Mio. der 14 bis 49-Jährigen hoch, dies in naher Zukunft zu tun.

Potentiale für Venues bereits erkannt

Das Potential in Deutschland, mit eSports Stadien zu füllen, haben einige Player bereits erkannt. U.a. in Planung ist eine spezielle eSports Arena in Hamburg, die die Hansestadt zu Europas eSports-Zentrum machen soll – angelehnt an ein Konzept, das zum Beispiel in den USA bereits aufgeht.

Gleichzeitig nutzen immer mehr Fußballclubs ihre Stadien und Vereinslokalitäten um eSports Raum zu geben. Der VfL Wolfsburg beispielsweise beherbergt eine eSports-Lounge in seinem Stadion und richtet jedes Jahr zum FIFA Launch ein großes Event in der Volkswagen Arena aus. Gleichermaßen engagieren sich Clubs wie Hertha BSC, Schalke 04 oder der SV Werder Bremen. Hertha dabei gar mit eigener eSports-Infrastruktur (eSports-Akademie verknüpft mit der Jungenakademie der Fußballer).

Die ESL-Meisterschaft hatte in den letzten Jahren Stopps in Duisburg, Köln, Stuttgart und Düsseldorf – für Dezember 2018 gastiert der prestigeträchtige Wettbewerb in Oldenburg, wo sich der Namensgeber der Arena EWE auch bereits vielfältig im eSports engagiert.

Wie genau die Entwicklung des eSports in Deutschland weitergeht, bleibt abzuwarten. Jedoch sprechen alle Argumente für den steigenden Erfolg des digitalen Sports mit der attraktiven Zielgruppe – und für das Potential von eSports-Events in Stadien und Arenen.

Weitere Insights zum Thema gibt Marcel Sandrock, Manager eSports & Gaming von Infront Germany, am 20.11.2018 auf dem ARENA Summit in Frankfurt.